![]() Bild: Kurt-Tucholsky-Gesellschaft Bild und Text mit frdl. Erlaubnis des Autors: Wolfgang Helfritsch, Mitglied der Kurt-Tucholsky-Gesellschaft und Leiter des Zimmentheaters Karlshorst) |
Kurt Tucholsky,
1890 in einer jüdischen Familie in Berlin geboren, veröffentlichte er bereits nach dem Abitur erste publizistische Arbeiten im sozialdemokratischen "Vorwärts". Mit "Rheinsberg" erschien 1912 sein "Bilderbuch für Verliebte", dem fast zwei Jahrzehnte später mit "Gripsholm" eine weitere heiter-besinnliche Liebesgeschichte folgte. Der Dr. jur. und Nachkriegsautor profilierte als engagierter Mitarbeiter und vielseitiger Texter des "Schall und Rauch" das vitale, streitbare Berliner Kabarett. In der "Weltbühne" und in der "Vossischen Zeirung" versprühte er seinen Haß gegen Selbstüberhebung, Spießertum und Uniformismus, in seinen eigenwilligen Gedichten und sensiblen Chansons offenbarte er sein Mitgefühl für die von den gesellschaftlichen Umständen ins Abseits Gedrängten: den ausgelaugten Fabrikarbeiter, die verhärmte Mutter oder auch die Straßendirne, die ihre Sehnsucht nach ein wenig Lebensglück hinter starrer Schminke und einem lockeren Mundwerk verbirgt.
Die großen Fragen der Weltpolitik lagen ihm nahe, und die kleinen Dinge des Alltags waren ihm nicht fern. Er empfand viel zu tief, um sich mit seinem "Lerne lachen ohne zu weinen" identifizieren zu können. Der Dünkel des Beamten und das Elend des Kriegsinvaliden, der repräsentative Justizpalast und der armselige Hinterhof, die Schönheiten des Daseins und die Schattenseiten des Lebens, das verklärte Ideal und die nüchterne Wirklichkeit boten ihm eine Widerspruchsvielfalt, der er sich weder entziehen konnte noch entziehen wollte.
Voller Bitterkeit über die Entwicklung der politischen Verhältnisse in Deutschland, das ihm 1933 die Staatsbürgerschaft aberkannte und seine Bücher in die Flammen warf, ging er in die schwedische Emigration. Er, der unversöhnlich im Austeilen und zartbesaitet im Einstecken war, zerbrach im Dezember 1935 an der Machtlosigkeit gegenüber der politischen Entwicklung, an der körperlichen Erschöpfung gegenüber einer zermürbenden Krankheit und vielleicht auch an der persönlichen Unfähigkeit, jene großartigen Frauen vor tiefer Enttäuschung zu bewahren, die ihm bis zuletzt selbstlos zur Seite standen.
K. T. hinterließ uns ein Werk von bedrückend-bedrohlicher Aktualität. Die unkommentierten Texte sollen als Aufforderung verstanden werden, das eigene Verhältnis zum Autor über sechs Jahrzehnte nach seinem Tode zu überdenken und die Nähe oder den Abstand zu seiner Zeit zu hinterfragen.
Die Kurt- Tucholsky-Gesellschaft, gegründet 1988, bietet allen daran Interessierten die Möglichkeit, an der Pflege des Tucholsky-Erbes teilzuhaben und Forschungsprojekte zu unterstützen. Dem eingetragenen Verein gehören ca. 220 Mitglieder aus 17 Staaten an.
Seit 1995 wird der Kurt-Tucholsky-Preis vergeben. Eine Fundgrube für TucholskyFreunde bilden die von Hering und Westmann herausgegebenen, seit 1990 in loser Folge erscheinenden "Tucholsky-Blätter" (Redaktion: PF 805, 10047 Berlin).
Dr. Wolfgang Helfritsch (Zimmertheater Karlshorst)
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